KREIS KLEVE (RP). Gestern Abend wurden im Weezer Rathaus mit dem Investor Hans van de Lande aus Rotterdam die Verträge zum Kauf der Flughafen Niederrhein GmbH (FN) und der Liegenschaft "Flughafen Laarbruch" feierlich unterschrieben. Anschließend zeigten sich alle Beteiligten sehr erfreut über den positiven Ausgang der Verhandlungen. Der Investor kann also ab 1. Juli mit den Arbeiten auf dem Flugplatz beginnen. Der Kreis war vergangene Woche der Vorreiter. Dienstag abend folgte die Gemeinde Weeze. Sie fällten die notwendigen Beschlüsse.
Auf dem Cyriakusplatz vor dem Weezer Rathaus standen gestern Abend auch die Flughafengegner mit einem großen Spruchband. Drinnen verhandelten seit Stunden Vertreter des Kreises Kleve, der Gemeinde Weeze und des Investors im Beisein eines Notars über die Einzelheiten des Kaufvertrages. Nur 20 Minuten nach der vereinbarten Zeit betraten die Verhandlungspartner wie Gladiatoren die Arena. Doch Landrat Rudolf Kerstin und Weezes Bürgermeister Johannes Snelting machten in ihren Begrüßungen schnell deutlich, wie harmonisch die Verhandlungen verlaufen seien. Während der vergangenen neun Monate sei zum Investor ein besonderes Vertrauensverhältnis aufgebaut worden.
Offensichtlich gab es zu den Beschlüssen des Kreistages und des Weezer Rates keine Änderungen, so dass es bei den bekannten Verkaufspreisen blieb. Hans van de Lande erklärte seinen Werdegang beziehungsweise die Geschichte seines Unternehmens. Als gelernter Steuermann habe er sich bereits beim Nautikstudium für Logistik interessiert. Erst habe er Container auf der Straße, später auf dem Wasser transportiert. Für die Zukunft plant er diese Transporte in vier Bereichen: Straße, Wasser, Schiene und Luft. Da sei ihm der Flughafen Laarbruch aufgefallen.
20 bis 50 Mio. Mark
Sein Projektleiter vor Ort, Philipp Dieter Stroh, ging auf weitere Einzelheiten ein. Wichtigste Voraussetzungen für die Entwicklung des Euregionalen Zentrums für Luftverkehr, Logistik und Gewerbe sei das Fliegen. Sein Ziel sei es, 2003 das erste komplette Betriebsjahr zu erreichen. In provisorischen Hallen sollen in der ersten Zeit rund 200 000 Passagiere pro Jahr abgefertigt werden. Das nächste Ziel mit einer neuen Abfertigungshalle liege bei 1 bis 1,2 Millionen Menschen, die ab Laarbruch fliegen sollen.
Auch erste Interessenten für den Frachtbereich nannte Stroh. Dazu gehören die UGA, ein Betrieb, der Teile von Handys herstellt, sowie eine Gesellschaft, die von Laarbruch aus mit einem kleinen Jet Ersatzteile für Flugzeuge an Bestimmungsorte in Europa und Übersee bringen soll. Um den Flughafen flugfähig zu bekommen, unter anderem mit einem neuen Tower und einer Berufsfeuerwehr, nannte van de Lande Erstinvestitionen in Höhe von 25 bis 50 Millionen Mark. Mittelfristig sind sogar 175 Millionen Mark im Gespräch.
Erst wenn das Fliegen gesichert sei, so der Projektleiter, der auch neuer FN-Geschäftsführer wird, könnten die Bereiche Logistik, Gewerbe und vor allem auch Hotel, Gaststätten und Freizeit entwickelt werden. Auch die Arbeitsplatzziele bleiben bestehen: Bis Ende 2007 müssen es mindestens 350 sein, sonst muss der Investor 7,5 Millionen Mark zurückzahlen.
Bis 2010 sollen es 2000 auf dem Flughafen und in der engeren Region sein. Am Rande wurde eine weitere Personalie bekannt: Der bisherige FN-Geschäftsführer Reinhard Gilleßen bleibt neben Stroh auch für den neuen Besitzer in seiner alten Funktion tätig.
Von STEFAN KRIEGEL, Rheinische Post 28.06.2001
Investor Hans van de Lande, Landrat Rudolf Kersting und Bürgermeister Johannes Snelting haben gestern den Vertrag unterzeichnet. "Das ist ein ganz besonderer Tag für Weeze!"
WEEZE. "Das Ziel ist erreicht!" Weezes (Noch-)Bürgermeister Johannes Snelting war gestern Abend sichtlich zufrieden. Kein Wunder, denn endlich wurde er unterzeichnet, der Vertrag für den Flughafen Laarbruch. Um punkt 18.20 Uhr setzten der niederländische Investor Hans van de Lande und Vertreter der Gesellschafter - u. a. Landrat Rudolf Kersting, Bürgermeister Johannes Snelting und FN-Geschäftsführer Reinhard Gilleßen - ihre Unterschriften unter den Vertrag. Hochoffiziell - im Beisein eines Notars.
Mit van de Lande habe man einen Entwickler und Investor gefunden, der Erfahrung mit Großprojekten habe, kompetent und potent sei, attestierte Kersting: "Das ist ein Abschluss und ein Neuanfang". Damit sei der Startschuss für eine Entwicklung gegeben, von der man sich bis 2010 2000 Arbeitsplätze erhoffe, kommentierte Snelting.
Entwicklung von Logistikzentren sei Schwerpunkt seiner Firma, schilderte Hans van de Lande. Und das habe mit Blick auf steigende Containerumschläge im Rotterdamer Hafen Zukunft. Grund genug für die van de Lande-Gruppe, sich neue Logistik-Standorte zu erschließen, ergänzte Philipp Dieter Stroh, der - wie Reinhard Gilleßen - Geschäftsführer der neuen Flughafen Niederrhein GmbH wird. Mit Containerterminals in Wanssum und Wesel sei der Anfang gemacht worden. Und weil Laarbruch genau dazwischen liege, wolle man sich neben Schiene und Wasser die Luft erschließen. Dem Projekt Laarbruch sieht Stroh optimistisch entgegen. Gespräche mit Airlines würden bereits geführt. Der Sichtflug sollte möglichst schnell starten, der Instrumentenflug folgen. Ziel: "2003 soll das erste Flugbetriebsjahr sein." Werde der Flughafen angenomen, sollen Abfertigungshallen mit einer Kapazität für rund eine Million Passagiere gebaut werden. "Das sind keine Luftschlösser, sondern Erfahrungswerte von anderen Regionalflughäfen", betonte Stroh. Geplant sei eine kombinierte Passagier- und Frachtflugnutzung, wobei letztere bei 20 bis 25 Prozente liegen soll. Der Frachtflug biete sich u. a. für leicht verderbliche Waren wie Blumen, Obst und Gemüse an, die in Straelen versteigert werden. Mit der Firma bofrost sei man ebenfalls im Gespräch. In punkto Gewerbeansiedlung auf dem Flughafengelände gab sich Stroh ebenfalls optimistisch. So habe ein europäischer Flugzeughersteller bereits sein Interesse an Flächen für ein Ersatzteillager bekundet. Laufe alles wie geplant erfolgreich, würden Gastronomie und Hotel auf dem Gelände gebaut.
Die Nachflugverbotszeiten (auf deutscher Seite 00 bis fünf Uhr, auf niederländischer 23 bis sechs Uhr) akzeptiere er, sagte Hans van de Lande. Verbunden mit der Hoffnung, dass sich die Niederländer bei den geplanten Neuverhandlungen in zwei Jahren anders entscheiden. Weil die Flugzeuge leiser würden und dann vielleicht auch der Erfolg des Flughafens überzeuge...
GABY BOCH, NRZ 28.06.2001